| Teil 5
Fishery Protection Service Royal Navy |
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Fishery Protection Service Royal Navy Im Jahr 1949 rief der Flag Officer Germany der Royal Navy in der Britischen Besatzungszone einen Fischereischutzdienst ins Leben. Die Royal Navy aktivierte zwei bei der Lürssenwerft in Bremen Vegesack gebauten Schnellboote, S 130 und S 208, der ehemaligen deutschen Kriegsmarine. Die Boote waren England als Kriegsbeute zugefallen. Ein deutsches Überführungskommando der German Minesweeping Administration (GM/SA) hatte sie, mit noch einigen weiteren Booten derselben Serie, 1945 nach England verbracht. Dort stellte sie die Royal Navy zu Erprobungs- und Versuchszwecken als Experimental Craft FPB 5130 und FPB 5208 in Dienst. Entsprechend ihrer neuen Verwendung, außer im Fischereischutzdienst, war auch an Aufgaben im Rahmen der Marineaufklärung gedacht worden, wurden die Boote auf einer Werft in Portsmouth umgebaut und ausgerüstet. Da die Boote unbewaffnet fuhren, wurden die Torpedorohre ausgebaut und dichtgesetzt, der Geschützbrunnen auf der Back geschlossen. Um den Aktionsradius zu erhöhen, baute man zusätzliche Treibstofftanks ein. Eine leistungsstarke Radar- und Funkpeilanlage wurde installiert. Die ursprünglichen Mercedes Benz Dieselmotoren wurden durch drei Napier-Deltic Dieselmotoren mit insgesamt 7500 PS ersetzt, was den Booten eine Geschwindigkeit von 45 kn verlieh. Für den Ostseeeinsatz erhielten die Boote einen speziellen weißen, nicht reflektierenden, Anstrich. Die Boote fuhren unter britischer Flagge, mit deutschen Besatzungen, alles ehemalige Angehörige der Kriegsmarine. Flottillenchef wurde Kapitänleutnant a.D. jetzt Offizier II.Ranges Hans-Helmut Klose, der bereits die Überführung der Boote nach England durchgeführt hatte. Für sein neues Betätigungsfeld brachte Hans-Helmut Klose reichlich Erfahrung mit. Zum Ende des Krieges war er Flottillenchef der 2. Schnellbootschulflottille und hatte bei Kurland gegen die Rote Flotte gekämpft. In den letzten Kriegstagen war er an der Evakuierung von Libau beteiligt. Zunächst wurden die Boote zur Überwachung der Seegrenzen der britischen Besatzungszone eingesetzt. Die britische Admiralität brauchte jedoch dringend Informationen über Ausrüstung und Aktivitäten der Roten Flotte, so dass die Boote schon bald weiter nach Osten vorstießen. Sie kreuzten bei den sowjetischen Flottenmanövern und vor den Stützpunkten auf und fotografierten die Schiffe. Wenn sie entdeckt wurden, flohen sie. Einigemale nahmen die Sowjets die Verfolgung auf, die Boote entkamen jedoch immer, dank überlegener Geschwindigkeit. Zur Tarnung führten sie einen ganzen Satz von Nationalitätsflaggen mit sich, dies verhinderte wirkungsvoll die Identifizierung, weil gleich mehrere Marinen Schnellboote der ehemaligen Kriegsmarine dieses Typs fuhren. Die Boote stammten aus britischer oder amerikanischer Kriegsbeute und waren an verbündete Staaten abgegeben worden. Inzwischen hatte der britische Geheimdienst MI 6 aus Lettland, Litauen und Estland stammende Emigranten zu Agenten ausgebildet, die in das Baltikum eingeschleust werden sollten, um dort nachrichtendienstliche Aufträge auszuführen. Sie sollten sich mit den dortigen antisowjetischen Widerstandsgruppen vereinigen. Diese hielten sich seit Kriegsende in den Wäldern verborgen und führten einen erbitterten Kleinkrieg gegen die sowjetischen Besatzer. Die Agenten wurden von England nach Westdeutschland geflogen, landeten dort auf britischen Militärflugplätzen, von dort brachte man sie zu wechselnden, von der Royal Navy kontrollierten Häfen, wo Kloses Boote ablegebereit auf sie warteten. Die erste Etappe der Reise führte in das Seegebiet um Bornholm, dort erwartete man den Funkspruch aus London, der den endgültigen Einsatzbefehl zum Eindringen in die Hoheitsgewässer der UDSSR gab. Den operativ ausgewählten Ort der jeweiligen Anlandung kannte nur der Kommandant. Nach Einbruch der Dunkelheit näherte sich das Boot abgeblendet bis auf ungefähr 3 Seemeilen der Küste. Man tauschte mit dem Empfangskomitee an Land die verabredeten, für nicht eingeweihte unsichtbaren Peilzeichen aus. Ein Schlauchboot mit Außenbordmotor wurde ausgesetzt, der Bootsführer, der in Sprechfunkverkehr mit dem Schnellboot stand, brachte die Agenten an Land. Dort übernahm er die bereits wartenden Agenten die nach England zurückkehren sollten und fuhr zum Schnellboot zurück, das sofort Fahrt aufnahm und sich von der Küste entfernte. Die nachrichtendienstliche Passage war so erfolgreich, dass in den darauffolgenden Jahren ein Agententrupp nach dem anderen an Land gesetzt und wieder zurückgeholt wurde. Ab 1953, nach einem Kooperationsabkommen zwischen den britischen und amerikanischen Geheimdiensten MI 6 und CIA, wurden auch von den Amerikanern mit Unterstützung der Organisation Gehlen ausgebildete Agenten, durch Kloses Boote zu ihren Einsatzgebieten im Baltikum gebracht. 1955 mussten die Anlandungen abgebrochen werden. Inzwischen hatte die sowjetische Spionageabwehr die Widerstandsgruppen unterwandert. Ein ganzer Agententrupp wurde abgefangen, vermutlich war Verrat im Spiel. Verstärkung erhielt die Flottille 1952. Der Bundesgrenzschutz See hatte bei der Lürssenwerft drei Schnellboote des bewährten modernisierten Typs der Kriegsmarine bestellt. Die vorgesehene Geschwindigkeit von 43 kn verstieß jedoch gegen das Potsdamer Abkommen, Verbot des Schnellbootbaues. Schon vor ihrer Fertigstellung beschlagnahmte das Militärische Sicherheitsamt der britischen Besatzungszone die Boote. Die Royal Navy stellte sie als Storm Gull und Silver Gull für den Fishery Protection Service, mit deutschen Besatzungen in Dienst. Zur Indienststellung des dritten Bootes Wild Swan kam es jedoch nicht mehr. Im Frühjahr 1956 wurde der Fishery Protection Service aufgelöst. Für ihre Verdienste zeichnete die Royal Navy die Besatzungen mit Medaillen aus. Es erfolgte die Übergabe der Boote an die neu aufgestellte Bundesmarine. Die ehemaligen Boote der Kriegsmarine S 130 u. S 208 wurden vor der Übergabe in ihren alten Zustand zurückgerüstet. Sie fanden Verwendung als Schulboote UW 10 und UW 11 bei der Unterwasserwaffenschule. Die drei neueren beschlagnahmten Boote bildeten zusammen mit zwei baugleichen Booten, die für den Bundesgrenzschutz See wohl wegen der sich abzeichnenden deutschen Wiederbewaffnung, doch noch gebaut werden konnten, das 1. Schnellbootgeschwader der Bundesmarine. Der größte Teil der Besatzungsangehörigen trat in die Bundesmarine ein. Der Flottillenchef Hans Helmut Klose trat als Vizeadmiral und Befehlshaber der Flotte 1978 in den Ruhestand. Bereits am 1.April 1957 konnte die Bundesmarine in Cuxhaven die ersten drei Verbände der Nato unterstellen. 2. Hochseeminensuchgeschwader 1. Schnelle Minensuchgeschwader 1. Schnellbootgeschwader Dies war nur möglich, weil die Bundesmarine von Anfang an über eingefahrene Verbände, mit ausgebildetem Personal der Marinedienstgruppen verfügen konnte. |
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