| Teil 4
Labor Service Unit A, B, C US-Navy |
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Labor Service Unit A, B, C US-Navy Dem Beispiel von Army und Air Force folgend entschloss sich 1950 auch die US-Navy zur Unterstützung ihrer Aufgaben, eine Arbeitseinheit mit Marinecharakter aufzubauen. Dies erfolgte nach den Richtlinien des US Verteidigungsministeriums für fremdländische Hilfseinheiten. Ihre Angehörigen hatten den Status von Zivilangestellten der mobilen Arbeitseinheiten bei den US-Streitkräften in Europa. Die LSU war in drei Gruppen gegliedert:
Bei der US Naval Advanced Base Bremerhaven war ein verantwortlicher amerikanischer Offizier für die LSU B eingesetzt, ihm unterstand direkt der Älteste deutsche Offizier, Commander LSU (Kapitän zur See a.D.) Hans John, die Flottillenchefs, die Offiziere des Stabes mit den Sachgebieten Operation, Verwaltung, Schiffstechnik, Navigation, Personalwesen, Ausbildung und Versorgung. Bei der LSU C war für jeden der drei Standorte ein verantwortlicher amerikanischer Offizier eingesetzt, ihm unterstanden die deutschen Divisionsoffiziere. Als Grundstock für Fahrzeuge und Personal der LSU B diente die bereits vorhandene Schleppergruppe. Diese hatte neben dem Schlepperbetrieb vier Minensuchboote des Typ 40 und einige Hilfsfahrzeuge technisch betreut. Diese wurden zur Überholung in Werften gegeben. Es folgte ein weiteres Boot vom Typ 40 sowie eines vom Typ 43 das privaten Nutzern leihweise überlassen worden war. Fünfzehn Minenräumboote die teils privat verchartert oder ungenutzt in verschiedenen Häfen oder Werften lagen wurden ebenfalls zur Überholung gegeben. Am 1.Juli 1951 trafen an der Zerstörerkaje, dem Stützpunkt der LSU B in Bremerhaven, die von den Engländern zurückgegebenen zwölf Räumboote des Minenräumverbandes Cuxhaven und mit ihnen 18 Offiziere und 220 Unteroffiziere und Mannschaften - fast alles ehemalige Angehörige der Kriegsmarine - ein. Sie wurden vom Kommandeur der US Naval Advanced Base Bremerhaven Captain Quinby begrüßt. Eine Army Band spielte vor den angetretenen Besatzungen den Marsch "Alte Kameraden". Die Flagge der Control Commission of Germany wurde eingeholt, das Sternenbanner gehisst. Das umfangreiche Lager von Minensuchgerät wurde von Cuxhaven nach Bremerhaven geholt. Von den Schleppern Pellworm und Passat wurden die Hohlstabfernräumgeräte von Cuxhaven zur Zerstörerkaje geschleppt und dort im Bootshafen festgemacht. Bereits im Sommer 1952 nach der Aufbauphase verfügte die LSU B über folgende Einheiten: 1 Flottille Minensuchboote (M-Boote) 5 Boote Typ 40 1 Boot Typ 43, alle mit Kohlenfeuerung 2 Flottillen Minenräumboote (R-Boote) - 21 mit Voith-Schneider-Antrieb, 5 mit Schraubenantrieb - 2 Tender "Puddefjord" u. "Harle" (ehemalige Hochseeschlepper) 2 Schlepper "Pellworm" und "Passat" 3 Schnellboote (1 deutsches, 2 amerikanische) 1 U-Jäger (französischer Neubau) 3 Flugsicherungsboote 1 Tanker "Borkum" 1 Flugzeugbergungsprahm "Memmert" 1 Wohnschiff "Knurrhahn" Die LSU C verfügte über: 22 Landungsfahrzeuge (LCM) 4 Landungsfahrzeuge (LCT) Die Aufgabe der LSU C bestand im wesentlichen darin, die US-Truppen bei Fluss-überquerungen und Flusstransporten zu unterstützen. Alle Fahrzeuge der LSU fuhren unter dem Sternenbanner. Der von der US-Navy vorgegebene Stellenplan sah vor: LSU A - 1 Offizier LSU B - 88 Offiziere, 902 Unteroffiziere u. Mannschaften LSU C - 7 Offiziere, 192 Unteroffiziere u. Mannschaften Beim Schiffsreparaturbetrieb (Ships Repair Department) an der Zerstörerkaje waren zivile Arbeitskräfte beschäftigt. Zunächst besetzte man die Stellen mit Personal, das bereits in der Kriegsmarine gedient hatte, doch schon bald wurden, bedingt durch die Vergrößerung der LSU, durch den deutschen Personaloffizier, junge ungediente Männer eingestellt. Diese erhielten eine sechswöchige Grundausbildung als Seaman oder Fireman Apprentice kamen dann an Bord, zu Landdienststellen, oder zu den Einheiten der LSU C. Die Dienstgrade der LSU entsprachen denen der US-Navy, sie reichten bei den Offizieren vom Ensign bis Captain, dem höchsten Dienstgrad dieser Einheit, bei den Unteroffizieren und Mannschaften vom Recruit bis Chief Petty Officer. Mit Aufstellung der LSU war auch beschlossen worden, eine neue Uniform einzuführen. Die von allen US-Dienstgruppen zunächst getragenen schwarz eingefärbten Arbeitsuniformen der US-Army wurden nach und nach abgeschafft. An Ihre Stelle kam eine blaue Marineuniform im Stil der US-Navy mit goldenen Ärmelstreifen für die Offiziere, mit blauer - im Sommer weißer - Schirmmütze, mit goldfarbenem Sturmriemen und einem Anker. Die Portepeeunteroffiziere (Chiefs) trugen dieselbe Uniform, jedoch mit schwarzem Sturmriemen an der Mütze. Die Rangabzeichen waren rot und wurden am linken Oberarm getragen. Die Unteroffiziere und Mannschaften trugen eine blaue Bluse mit seidenem Tuch, jedoch keinen hellblauen Kragen. Als Kopfbedeckung wurde das bewährte Schiffchen mit den Prägebuchstaben LSU getragen. Alle Dienstgrade trugen am rechten Oberarm ein rot umrandetes Abzeichen mit Anker und den Buchstaben USN/LSU. Für alle Dienstgrade wurden blaue Tuchmäntel oder Jacken ausgegeben. Als Arbeitskleidung für Unteroffiziere und Mannschaften kamen Hemden und Hosen aus blauem Dungery-Stoff zur Ausgabe. Angehörige der LSU C erhielten außerdem eine komplette Felduniform einschließlich Handwaffen. Bei guter Führung und Arbeitsleistung konnte das Good Conduct Badge, eine in den deutschen und amerikanischen Farben gehaltene Metallspange verliehen werden. Sie wurde an der rechten Brustseite zur Uniform getragen. Mit der Übernahme der Boote des Minenräumverbandes Cuxhaven, hatte die US-Navy auch die Verpflichtung zum weiteren Minenräumen übernommen. Die Koordination lag weiterhin bei der Royal Navy in Cuxhaven. Dort wurde die Stelle eines Verbindungsoffiziers für Minenräumangelegenheiten US-Navy/LSU zur Royal Navy geschaffen. Die Hauptlast der Räumung lag zunächst bei den Räumbootflottillen (R-Boote), da die Minensuchflottille (M-Boote) erst ab Mitte 1952 voll einsatzfähig war. In der Nordsee wurden die vorhandenen Zwangswege verbreitert, neue Wege wurden geschaffen Nach Freigabe der Insel Helgoland wurde der Weg zur Elbe und die Randgebiete um die Insel freigeräumt. In der Ostsee wurden ebenfalls die Zwangswege verbreitert und neue Wege geschaffen. Für das erste Nato Manöver 1952 wurde der Ankerplatz in der Bucht von Skagen freigeräumt. LSU Einheiten wurden außer zum Minenräumen auch für andere Aufgaben herangezogen. Der Schlepper Passat brachte trotz schweren Wetters einen großen Schwimmkran von Bordeaux nach Bremerhaven, der zum Umschlag von Schwergut dringend gebraucht wurde. 1952 gab die UDSSR etwa 60 Motortorpedoboote (MTB) zurück, die sie von den USA im Rahmen des Leih- u. Pachtvertrages erhalten hatte, die Übergabe erfolgte in Kiel. Die Boote überführte die LSU nach Bremerhaven, ein Teil musste wegen des schlechten technischen Zustandes geschleppt werden. Als Begleitschiff mit LSU-Besatzung nahm 1953 der Schlepper Pellworm, an der ersten Auslandsreise der Weser-River-Patrol nach Holland und England teil. Die Weser-River-Patrol verfügte über sechs - nach US-Spezifikation auf deutschen Werften gebauten - Patrouillenboote, die mit US-Navy Besatzung fuhren. Ab 1953 liefen die Passagierschiffe SS United States und SS America regelmäßig Bremerhaven an, eskortiert wurden die Schiffe beim Einlaufen in die Wesermündung von Booten der LSU. Die Schnellboote der LSU führten in der Ostsee geheime Sonderaufträge durch. Diese waren für die UDSSR von solchem Interesse, dass sie zwei Spione aus den Reihen der LSU, auf die kleine Einheit ansetzte. Ab 1954 trat das Minenräumen immer weiter in den Hintergrund. Die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland zeichnete sich ab. Obwohl nicht offen ausgesprochen, war es beschlossene Sache, die LSU als Grundstock für eine neue deutsche Marine zu verwenden. Mit tatkräftiger Unterstützung der USNAB wurde in der Kasernenanlage in Bremerhaven in der Elbestraße das Education Department der LSU zu einer Schule für alle Marinebereiche ausgebaut. Es wurden Lehrgänge über Elektronik, Fernmeldedienst, Navigation, Schiffstechnik und Waffen abgehalten. Fast alle Lehrkräfte kamen aus der LSU, unterstützt von einigen zivilen Fachlehrern. Etwa ein Drittel der LSU Angehörigen waren ständig auf Lehrgängen. Während ein Teil der Boote mit einer Restbesatzung im Hafen lag. Gegen Ende des Jahres 1955 begann man damit, die Schiffe und Boote die bisher, mit Ausnahme einiger Karabiner zum Abschießen von Treibminen, unbewaffnet fuhren, zu bewaffnen. Die M-Boote erhielten jeweils eine 40 mm Doppellafetten Flak auf der Back und auf dem Achterdeck, sowie eine 76,2 mm Kanone auf dem Achterdeck. Die R-Boote erhielten jeweils eine 20 mm Flak auf der Back und auf dem Achterdeck. Im Frühjahr 1956 begann die Übernahme des Personals und die Übergabe der Fahrzeuge an die neu aufgestellte Bundesmarine. Etwa 60 Offiziere und 520 Unteroffiziere und Mannschaften der LSU B wurden in die Bundesmarine übernommen, von der LSU C waren es 3 Offiziere und 120 Unteroffiziere und Mannschaften. Die Bundesmarine stellte die Bewerber im alten Dienstgrad der Kriegsmarine ein, die bei der LSU erworbenen Dienstgrade erkannte sie nicht an. Dadurch verzichteten viele - vor allem junge ungediente - Bewerber auf eine Einstellung und gingen zur Handelsmarine. Die Bundesmarine bildete aus den M-Booten das 2. Hochsee Minensuchgeschwader. Aus den R-Booten wurde das 1. und 3. Schnelle Minensuchgeschwader. Einige R-Boote und Hilfsfahrzeuge kamen zu verschiedenen Schulen und Stützpunkten der Bundesmarine. Ein Teil des LSU Personals verblieb an Bord, zusammen mit neu eingestellten Freiwilligen der Bundesmarine. Von jetzt ab wehte die Dienstflagge der Bundesmarine über den Schiffen und Booten.
Die Übergabe der Hafenanlagen am Zerstörerkai und der Kasernenanlage in der Elbestraße zog sich bis zum Frühjahr 1957 hin. Am 1.Juli 1958 wurde die LSU C aufgelöst, nachdem sie Kasernenanlagen, Geräte und Fahrzeuge an die Pioniertruppe der Bundeswehr übergeben hatte. Die LSU hatte damit aufgehört zu existieren. |
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