Teil 1 —
Deutscher Minenräumdienst
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Der Deutsche Minenräumdienst
German Minesweeping Administration GM/SA


Im Verlauf des II. Weltkrieges waren in den Gewässern West-, Nord- und Osteuropas durch die kriegführenden Parteien rund 600 000 Seeminen ausgelegt worden. Die Handelsschifffahrt und Fischerei wurden dadurch nahezu lahmgelegt.

Die Notwendigkeit hier Abhilfe zu schaffen, führte im Mai 1945 zur Bildung der Mine Clearence Board, einer internationalen Organisation zur Koordinierung der Minenräumarbeiten mit Sitz in London.
Zu dessen Führungsstab Fachleute aus Frankreich, Großbritannien, Russland und den Vereinigten Staaten gehörten. Alle betroffenen Küstenstaaten Europas gehörten der Organisation als Mitglieder an.

Die Europäischen Gewässer wurden in vier Zonen, diese wiederum in Unterabschnitte eingeteilt, Deutschland bekam zwei ausgedehnte Abschnitte in der Nordsee und in der westlichen Ostsee zugeteilt.

Für die Bekanntgabe der freigeräumten Seegebiete und der Zwangswege wurde eine weitere Behörde - The international Routing and Reporting Authority - gegründet.

Schon in den Waffenstillstandsverhandlungen war Deutschland zum Minenräumen verpflichtet worden. Auf Befehl der alliierten Militärbefehlshaber wurde das Minensuchpersonal nicht aus der Kriegsmarine entlassen.

Unmittelbar nach Kriegsende waren bereits, auf Veranlassung örtlicher britischer und amerikanischer Marinekommandeure, deutsche Minenräumverbände eingesetzt worden.

Am 21. Juli 1945 unterzeichnete der britische Marineoberkommandierende in Deutschland (British Naval Commander in Chief Germany) Vice Admiral Sir Harold Martin Burrough, die Instruction to German Minesweeping Administration.

Der Deutsche Minenräumdienst wurde von dem britischen Commodore H.T.England geleitet, der die Dienstbezeichnung Commodore German Minesweeping Administration führte (Commodore GM/SA). Ihm stand ein Stab britischer Marineoffiziere aller Sachgebiete zur Verfügung.

Zum Chef (Administrator) der deutschen Minenräumdienstleitung (DMRL) wurde Konteradmiral Fritz Kraus bestimmt.

Die deutsche Minenräumdienstleitung nahm ihre Arbeit in Glückstadt auf, verlegte aber schon im Herbst 1945 nach Hamburg.

Die auf Veranlassung örtlicher britischer und amerikanischer (Enklave Bremen) Marinekommandeure gebildeten Minenräumgruppen wurden zu Minenräumdivisionen zusammengefasst und zentral von Hamburg aus geführt.

Am 15. Mai 1946 waren dem Commodore GM/SA 6 deutsche Minenräumdivisionen unmittelbar unterstellt.
  1. MRDiv Schleswig Holstein
  2. MRDiv Westdeutschland Cuxhaven
  3. MRDiv Dänemark
  4. MRDiv Norwegen
  5. MRDiv Holland
  6. MRDiv Amerikanische Enklave Breme
Die Personalstärken der Minenräumdivisionen betrugen:
   Offiziere und Beamte  Unteroffiziere u. Mannschaften
 1. MRDiv  300  4000
2. MRDiv  360  4600
3. MRDiv  120  1900
4. MRDiv  210  2800
5. MRDiv  50  600
6. MRDiv   60  1000
 Gesamt  1100  14900


Der Dienst in der GM/SA war nicht freiwillig, die Besatzungen galten als unbewaffnetes deutsches militärisches Personal (Disarmed German Mititary Personnel) Die Disziplinarstrafordnung der Kriegsmarine blieb in Kraft. Offiziere des deutschen Minenräumdienstes konnten ihrer Dienststellung entsprechend Disziplinarstrafen aussprechen. Alle Strafen unterlagen jedoch der Nachprüfung durch den britischen oder alliierten Kommandeur, dem die Dienststelle unterstand.

Zunächst wurden die alten Uniformen der Kriegsmarine ohne nationalsozialistische Embleme weiter getragen.

Ab 25.Mai 1946 wurde eine neue dunkelblaue Dienstkleidung, im Schnitt des britischen "Battle Dress", für alle Dienstgrade eingeführt. An beiden Oberarmen und an Schirm-u. Bordmützen, waren die gestickten GM/SA Abzeichen zu tragen. Für Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften wurden neue Ränge und Dienstgrade mit neuen Dienstgrad- und Laufbahnabzeichen eingeführt.

In den ersten Nachkriegsmonaten waren die deutschen Minensuchfahrzeuge durch die Flagge "Nanni" und den internationalen Zahlenwimpel Acht gekennzeichnet. Auf Weisung der Militärregierung hatten ab 1.Juli 1945 alle deutschen Schiffe die Flagge "International Caesar" als Doppelstander zu führen.

Zum Beginn der Räumtätigkeit betrug der Fahrzeugbestand etwa 840 Schiffe und Boote. Er verringerte sich jedoch laufend. Nicht reparaturfähige Wasserfahrzeuge wurden außer Dienst gestellt. Ehemalige Fischdampfer und Kutter gingen an die Eigner zurück. Etwa 100 Minensuch- u. Räumboote die auf der Potsdamer Konferenz der Sowjetunion zugesprochen worden waren, wurden abgegeben. Anfang des Jahres 1947 waren noch etwa 294 Wasserfahrzeuge einsatzfähig, davon waren 184 im Räumeinsatz.

84 Minensuchboote (M-Boote) Typ 35, Typ 40, Typ 43
63 Minenräumboote (R-Boote) teilweise mit Voith-Schneider Antrieb
62 Kriegsfischkutter (KFK)
6 Sperrbrecher
5 Hilfsminensucher (umgebaute Fischereifahrzeuge)
110 Hilfsschiffe (Unterstützungs-, Begleit-, u. Versorgungsschiffe)

Je nach Art der zu räumenden Minen, Ankertau- oder Grundminen, mit unterschiedlichen Zündgeräten, wurden die Fahrzeuge und Minenräumgeräte eingesetzt. Aus Beständen der Kriegsmarine standen zur Verfügung:

Scherdrachengerät (SDG)
Kabelfernräumgerät (KFRG)
Hohlstabfernräumgerät (HFG)
Schleppspulgerät (SSG)
Akustische Fernräumgeräte
Sperrbrecher

Bis Ende des Jahres 1947 waren 5628 Quadratseemeilen in der Nordsee und 450 Quadratseemeilen in der westlichen Ostsee freigeräumt. 2721 Minen und 693 Sperrschutzmittel waren durch die deutschen Minensucher unschädlich gemacht worden.

Fünf Minensuchfahrzeuge und fünf Hilfsschiffe sanken im Dienst.

Durch Minenräumunfälle kamen 53 Besatzungsangehörige ums Leben. Bei einer Detonation auf dem Munitionsversenkungsschiff BERNLEF verloren 31 Männer ihr Leben. Beim Sinken des Dampfers LICHTMARK auf der Unterelbe, der ein Arbeitskommando von Hamburg nach Cuxhaven transportieren sollte, fanden 97 Männer den Tod.

63 Männer kamen durch Unfälle der verschiedensten Art, 64 durch Krankheit, 11 durch Selbstmord ums Leben.

28 Zivilpersonen, Besatzungsmitglieder gecharterter Schiffe und Bedienstete von Werften und Arsenalen verloren durch Unfälle und Krankheit ihr Leben.

348 Männer des Deutschen Minenräumdienstes gaben nach dem Kriege ihr Leben im Dienste der Allgemeinheit.
 Denkmal Minensucher Gedenkstätte Cuxhaven

Von britischer Seite war ursprünglich vorgesehen, die Räumarbeiten bis mindestens 1950 fortzusetzen. 1947 begannen jedoch die Sowjets den westlichen Alliierten eine getarnte deutsche Wiederaufrüstung mittels der GM/SA vorzuwerfen. Die englische Regierung gab dem Druck nach und befahl die Auflösung der deutschen Minenräumverbände - gegen amerikanischen Einspruch - für das Frühjahr 1948.

Die Ankertauminen waren zwar vollständig geräumt, jedoch war die Schifffahrt wegen der noch nicht vollständig beseitigten Grundminen an Zwangswege gebunden.

Zum Ende des Jahres 1947 begann die Auflösung der Verbände. Die Fahrzeuge gingen als Kriegsbeute an die Westalliierten (GB und USA), die sie zum Teil an die norwegische, dänische und französische Marine abgaben.

Parallel dazu verliefen die Entlassungen des Personals, im Januar 1948 wurde die GM/SA offiziell in Cuxhaven aufgelöst.  
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